Eine Analyse des Wirkens deutscher Wirtschaftsakteure in Polen weist auf eine fortschreitende und zunehmend komplexe Aktivität im Verteidigungssektor hin. Nach Angaben der Organisation German Trade and Invest (GTAI) reicht sie weit über das hinaus, was die polnische Regierung in offiziellen Verlautbarungen darstellt. Die Tätigkeit des GTAI-Büros in Warschau konzentriert sich darauf, den polnischen Markt im Hinblick auf Investitionschancen für die deutsche Rüstungsindustrie zu beobachten, die derzeit eine beispiellose Hochkonjunktur erlebt. Ein zentrales Element dieser Dynamik ist die Frage der Finanzierung von Rüstungsbeschaffungen aus Mitteln des SAFE-Fonds, die sich im Schatten von Kompetenzstreitigkeiten zwischen Regierung und Präsident um die Umgehung des Vetos des Staatsoberhaupts vollzieht. Bemerkenswert ist, dass die deutsche Seite über außerordentlich präzise Daten zu den Terminen der Anzahlungen verfügt, in den polnischen öffentlichen Finanzen tief orientiert ist und nicht selten den im inländischen Medienbetrieb zugänglichen Informationen vorauseilt.

Aus analytischer Perspektive ist das wichtigste Phänomen die Strategie der „Tarnung" deutscher Technologie in polnischen öffentlichen Aufträgen. Zwar hatte Ministerpräsident Donald Tusk erklärt, der Anteil deutscher Zulieferer an den aus SAFE-Mitteln finanzierten Projekten werde auf lediglich 0,37 Prozent begrenzt, doch verweisen Expertenanalysen auf einen weitaus größeren Umfang dieser Kooperation. Der Mechanismus beruht auf der Lieferung zentraler Komponenten anstelle vollständiger Waffensysteme. Damit lassen sich politische Kontroversen und Vorwürfe der Opposition vermeiden. Deutsche Unternehmen wie Airbus bemühen sich aktiv um Aufträge für Transportflugzeuge des Typs A4000M oder Luftbetankungsflugzeuge des Typs A330 MRTT, doch verbirgt sich gerade im Inneren der als „polnisch" deklarierten Produkte das eigentliche Exportpotenzial Deutschlands.

Wie diese Strategie in der Praxis Anwendung findet, zeigt sich an konkreten Projekten, in denen die polnische „Verpackung" hochentwickelte deutsche Komponenten verbirgt. Das beste Beispiel sind die derzeit gebauten polnischen Fregatten, die mit Funktechnik der Firma Rohde & Schwarz, Antriebssystemen von Schottel sowie Lösungen der ZF Friedrichshafen AG ausgerüstet werden. Eine vergleichbare Abhängigkeit gilt für Kampffahrzeuge, in die regelmäßig Motoren des Konzerns Renk und Getriebe der Marke ZF verbaut werden. Ein solches Kooperationsmodell erlaubt den deutschen Herstellern eine äußerst wirksame Expansion an politisch weniger sensiblen Stellen. Es wird als ein – in Zusammenarbeit mit der polnischen Seite entwickelter – Weg interpretiert, den gesellschaftlichen und politischen Widerstand gegen direkte Käufe von Ausrüstung beim westlichen Nachbarn zu umgehen.

Die deutsch-polnische Rüstungskooperation entwickelt sich deutlich in Richtung eines komponentenbasierten Modells. Die deutsche Technologie wird zum integrierten, wenn auch völlig diskreten Bestandteil polnischer Verteidigungssysteme. Die offiziellen Erklärungen der Regierung über eine nur marginale kapitalmäßige Beteiligung Deutschlands an der Modernisierung der polnischen Streitkräfte dienen vor allem dem öffentlichen Erscheinungsbild und der laufenden politischen Absicherung gegen den Vorwurf, eine ausländische Industrie zu bevorzugen. In Wirklichkeit aber bilden westliches Know-how und entscheidende mechanische sowie elektronische Komponenten das Fundament zahlreicher strategischer Vorhaben, die Warschau umsetzt – was Analyseberichte, die sich an deutsche Investoren richten, unmittelbar bestätigen.