Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz versucht, die finanzielle Lage des Landes mit drastischen Einschnitten zu retten. Leider treffen diese dort, wo die Bürger sie am stärksten spüren. Wie Aleksandra Fedorska anmerkt, waren die Deutschen über Jahrzehnte hinweg an höchste, weltweite Standards gewöhnt – besonders im Bereich der medizinischen Versorgung. Heute hat sich die Lage dramatisch verändert.

– Um in Deutschland einen Termin bei einem Facharzt zu bekommen, wartet man inzwischen ein Jahr. In manchen Fällen sogar länger. Für die Deutschen ist das ein Schock. (…) Sie stoßen jetzt auf einen totalen Zusammenbruch des Systems – betont die Expertin im Radio Wnet.

Fedorska fügt hinzu, dass die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Reformen der derzeitigen Regierung mit Sicherheit „zu schaffen machen werden“. Den Kern der deutschen Gesellschaft bilden ältere Menschen, die am dringendsten auf eine funktionsfähige medizinische Versorgung angewiesen sind. Stattdessen beobachten sie eine wachsende Arbeitslosigkeit und eine zusammenbrechende Industrie.

Eine Folge der zunehmenden inneren Probleme ist ein Phänomen, mit dem Deutschland seit sehr langer Zeit nicht mehr konfrontiert war – die Massenauswanderung. Das Land, das jahrelang ein „Wunderland“ für Arbeitsmigranten war, beginnt nun selbst, seine Bürger zu verlieren.

Es ändert sich jedoch nicht nur die Richtung, sondern auch das Profil der Auswanderer. Während nach Polen vor allem Senioren oder Personen polnischer Herkunft ziehen, wählt eine völlig andere gesellschaftliche Gruppe andere Ziele.

– In Richtung Schweiz, USA, Australien oder Skandinavien wandern hervorragend ausgebildete, junge Deutsche aus, die in ihrem Land schlicht keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr sehen. Es geht in die Hunderttausende – warnt die Chefredakteurin von Radio Debata. – Das ist ein absolutes Novum für diese Gesellschaft. (…) Das verändert grundlegend das Bild Deutschlands bei den Deutschen selbst.

Die wirtschaftlichen Probleme sind zu einem großen Teil Folge verfehlter strategischer Entscheidungen. Laut Aleksandra Fedorska ist die deutsche Energiepolitik „über 20 Jahre eines absolut falschen Weges“. Die Expertin verweist auf die Notwendigkeit, den Anteil der erneuerbaren Energien (EE) zu reduzieren, die enorme Kosten verursachen, weil das System ausbalanciert werden muss, wenn „die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht“. Eine Lösung könnte ihrer Ansicht nach die Rückkehr zur Kernenergie sein, zumal noch nicht alle Anlagen vollständig demontiert worden sind.

Statt rationaler Einsparungen haben sich die Deutschen dazu entschieden, gigantische Schulden in Höhe von einer Billion Euro aufzunehmen – für Rüstung, Energiewende und Digitalisierung.

– Das ist eine Illusion. Wenn wir in dieses gesamte System solch gewaltige Summen pumpen, müsste das Wachstum der deutschen Wirtschaft bei 2–3 Prozent liegen, doch es ist minimal, nahe null. Dort gibt es wirklich sehr ernste Probleme – urteilt die Expertin.

Vor dem Hintergrund der inneren Probleme läuft ein Spiel um milliardenschwere Rüstungsaufträge. Polen investiert enorme Mittel (rund 44 Milliarden Euro) in das Luftverteidigungssystem „Ostschild“ (im Rahmen der europäischen Initiative ESSI – European Sky Shield Initiative). Wie sehen die Deutschen diese Ausgaben?

Fedorska weist darauf hin, dass die deutsche Rüstungsindustrie auf Gewinne aus diesen Aufträgen hofft, doch für Berlin sind andere Fragen wichtiger. – Wichtiger ist es, die Rüstungssysteme zu vereinheitlichen und andere Anbieter so weit wie möglich auszuschließen – erklärt sie. Aus der Perspektive Deutschlands, das sich selbst mit einer halben Billion Euro für den Wiederaufbau der Armee verschuldet hat, sind die polnischen Mittel kein entscheidender Faktor.

Auch ein geopolitischer Aspekt tritt auf, den die Expertin als „Tragikomödie“ bezeichnet. Es geht um den angeblichen Vorschlag Wladimir Putins, dass der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder die Rolle eines Friedensvermittlers übernehmen solle.

– Gerhard Schröder konnte vor kurzem nicht vor einem Untersuchungsausschuss aussagen, weil er einen mental-kognitiven Zusammenbruch erlitten hatte. Es hieß, er habe ernsthafte Konzentrations- und Gedächtnisprobleme. Wenn dieser ein Vermittler in derart wichtigen Angelegenheiten sein soll, habe ich erhebliche Bedenken – kommentiert Aleksandra Fedorska und fügt hinzu, dass die deutsche Regierung selbst diesen Vorschlag für völlig unglaubwürdig hält.